Liselotte Pulver – Dem Leben ins Gesicht gelacht

Ihr Lachen verzauberte Millionen - plus 1

Liselotte Pulver - Dem Leben ins Gesicht gelachtKEN. Liselotte (Lilo) Pulver hat mit ihrem Film »Ich denke oft an Piroschka« (1955) viele Menschen bewegt – sie wie Audrey Hepburn mit »Ein Herz und eine Krone« (1953). Ich gehöre zu diesen vielen. Beide (* 1929) überzeugten die Welt mit ihrem Charme und einem ganz besonderen Lachen/Lächeln/Blick. In »Dem Leben ins Gesicht gelacht« begegnen wir dem Lachen der Liselotte Pulver wieder.

 


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Ich habe »Ich denke oft an Piroschka« vermutlich zum ersten Mal in den 1970er Jahren kennen gelernt, als auch wir endlich in Farbe fernsehen konnten. Ich muss etwa 14 Jahre alt gewesen sein und war so sehr hin und weg von der jungen Ungarin mit dem nie welkenden Blumenschmuck im Haar, dass der Zwillingsauftritt von Liselotte Pulver in »Kohlhiesels Töchter« (1962) mir wie Verrat vorkam.

Ich mochte ihren ungarischen Akzent und versuchte den Namen des Dorfes Hódmezővásárhelykutasipuszta aus dem Film fehlerfrei nachzusprechen. Liselotte Pulver konnten dazu nur Einheimische das Wasser reichen, und das ist bis ins neue Jahrhundert so geblieben. Ich ärgerte mich über meine vergeblichen Versuche genau so sehr wie über Gunnar Möller, der als geschniegelter Austauschstudent Andreas mit den Gefühlen der 17-jährigen Sprachenlehrerin spielte. Dieser arrogante Schnösel hatte mit Wera Frydtberg als Greta doch bereits eine sehr überzeugende Freundin …

Ich hätte beruhigt sein können. Liselotte Pulver hat stets ähnlich wenig Wein wie die Piroschka vertragen und sich wie diese aus Affären mit bereits vergebenen Männern herausgehalten. Sie hätte dem Andreas im richtigen Leben vermutlich sogar gehörig die Leviten gelesen und den Beweis für Treue als Beziehungsprinzip gleich nachgeliefert: Am Set von »Gustav Adolfs Page« (1960), als sie wieder einmal eine Knabenrolle spielte, lernte Liselotte Pulver den Schauspieler Helmut Schmid (1925-1992) kennen und heiratete ihn wenig später. Nach dem Tod ihres Helmut Schmid ohne »t« blieb sie solo.

Liselotte Pulver drehte auch in Hollywood, parodierte Marilyn Monroe und empfand sie so wenig als Vorbild, wie sie selbst jemals eines sein wollte. Sie arbeitete mit dem großartigen Billy Wilder zusammen, spielte mit Legenden wie Hans Albers und Jean Gabin, begeisterte Deutschlands ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer und durfte Hans-Dietrich Genscher, den ewigen Außenminister, einen Freund nennen.

Mit Dieter Hallervorden teilt sie das Talent für den Klamauk und den Heuschnupfen und mit unzähligen Zuschauern vor den Bildschirmen von 1978 bis 1985 in der »Sesamstraße« die kindliche Neugier. Das Lachen ist und bleibt ihr Markenzeichen. Nicht nur Gunnar Möller, alias Andreas, fand sie deswegen auf eine schmalztriefende Weise ach so süß.

Liselotte Pulver wurde am 11. Oktober 1929 in Bern geboren und schaut auf weit über 70 Produktionen zurück, von »Ein Seemann ist kein Schneemann« (1949) bis »Das Superweib« (1996) für das Kino, von »Unsere Kleine Stadt« (1954) über die »Sesamstraße« 1985) bis »Die Zürcher Verlobung – Drehbuch zur Liebe« (2007) im Fernsehen.

Liselotte Pulver hat sich ihre Lebensfreude stets bewahrt, trotz der Schicksalsschläge, die bei einem solch langen Leben wohl kaum ausbleiben dürften. In den Gesprächen mit Olaf Köhne und Peter Käfferlein zu »Dem Leben ins Gesicht gelacht« widmet sie ein Kapitel ihrer Tochter. Mélisande stürzte 1989 im Alter von 21 Jahren aus ungeklärten Ursachen vom Berner Münster in den Tod.

Die biografischen Gespräche für dieses Buch berichten persönlich und vertraut. Sie stellen uns zudem eine ehrgeizige und insgesamt durchaus strategische Liselotte Pulver vor, die international ganz vorne stehen wollte. Dass engste Angehörige und Freunde sie als abwägend bis entscheidungsschwach beschreiben, wirkt auf mich wie ein Teil einer langfristigen Strategie, mit der sie ihr großes Ziel tatsächlich erreichte. Zumindest bestätigen das gut 30 nationale und internationale Filmpreise und die Fanpost, die sie auch im hohen Alter noch beantwortet.

Inzwischen lebt die Darstellerin mit dem bezaubernden Lachen in einer Altersresidenz bei Bern. Die Anhänger, die sie noch von ganz früher kennen, werden allmählich weniger. Die Zuschauer der »Sesamstraße« mit den Lilo-Folgen sind inzwischen selbst Eltern oder sogar Großeltern, während Liselotte Pulver dem Leben noch immer ins Gesicht lacht. Ich denke, wenn schon nicht mehr so oft, so doch insgesamt gerne an meine ersten Fernseherfahrungen mit der Piroschka aus Hódmezővásárhelykutasipuszta.

Liselotte Pulver - Dem Leben ins Gesicht gelacht


Ein Beitrag von www.buecher-blog.net.

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